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"Wenn Sie Glück haben, wird er ein Weidepferd"

Caroline Nussbaumer
Mai 2013

Das war die niederschmetternde, erste Antwort auf meine Frage, wie es weiter geht.
Im Sommer 2012 hatte mein Pferd, ein dreizehnjähriger Wallach, hinten rechts ein geschwollenes Sprunggelenk.
Es war offensichtlich, dass er Schmerzen hatte. Obwohl er nicht wirklich lahmte. Der Haustierarzt schickte mich nach einer Woche ohne Reaktion auf die Entzündungshemmenden Medikamente, zu einem „Pferdetierarzt“.
Ich ging zu meinem vorherigen Tierarzt im Kanton Luzern. Ich wohne in der Zwischenzeit im Kanton Bern.
Der Tierarzt röntgte das Gelenk und wir waren alle überrascht. Er hatte einen Chip, der frei im Gelenk wanderte.
Noch am gleichen Tag gings ab in die Tierklinik, wo weitere Untersuchungen gemacht wurden. Es war klar, so schnell wie möglich operieren. Für mich war es nicht so einfach, denn die Operation ist teuer! Aber die Prognose war sehr gut. Also wagte ich den Schritt. Normalerweise sind bei Chips die Gelenke an beiden Beinen betroffen. Aber zum grossen Glück war es nur das rechte.
Kurz vor der OP entschied ich mich, meinem Pferd die Hufeisen abnehmen zu lassen und auf Barhuf umzustellen.
Mir fiel schon seit längerem auf, dass mein Pferd Schmerzen beim beschlagen zeigte.
Vor drei Jahren hatte er einen schweren Unfall, bei dem er sich grosse Wunden am Fesselrand zufügte. Die eine Wunde zog sich bis unter den Kronrand. Es musste dreimal operativ behandelt werden.
Dadurch entwickelten beide Hinterfüsse vernarbtes Horn. Beim letzten Beschlag sagte der Hufschmied, dass er kaum noch nageln könne. Und man hatte wirklich das Gefühl, als würde der Huf wegbröseln. Beim rechten mehr als beim linken.
Als die erste Erholungsphase nach der Chip OP überstanden war, gab der Tierarzt grünes Licht zum Eisen entfernen.
Der Hufpfleger, er entfernte die Eisen, war sehr überrascht über den schlechten Zustand der beiden Hinterhufe. Besonders der rechte zerfiel und zeigte bis weit nach innen diese mehlige Konsistenz. Da das Loch zwischen Hufwand und Innenfuss grösser wurde, riet er mir, so schnell wie möglich damit zum Tierarzt zu gehen.
Am nächsten Tag musste der Tierarzt dann notfallmässig kommen! Der Fuss sah schlimm aus und mein Pferd hatte starke Schmerzen.
Zu allem Übel entwickelte er an den Vorderfüssen eine Lederhautentzündung. So ging es bald wieder in die Tierklinik. Dort wurden seine Vorderfüsse weich eingepackt. Der weiche rechte Hinterhuf liess alle erbleichen. In der Klinik arbeiten der Tierarzt und Hufschmied zusammen. Das erste Röntgenbild zeigte, dass auch das Hufbein auf den verlorenen Halt und fehlende Balance reagierte. Der Hufschmied begann mit dem Ausschneiden.
Und das Loch wurde immer grösser.
Schlussendlich musste er gut ein Drittel der Hufwand (vom ganzen Huf ausgehend) komplett abnehmen. Bis ca. einen Zentimeter unter den Kronrand. Das Bild war grässlich. Der halbe Huf war praktisch weg. Auch die Innensohle hat sich als mehlig und viel zu weich herausgestellt.
Der Fuss wurde nach der Behandlung gut desinfiziert und es kam ein Gips drauf. Nach einer Nacht Klinik durfte ich ihn wieder nach Hause nehmen.
Es gab absolute Boxenruhe. Schon wieder!!
Ich bin sehr froh, dass mein Pferd so geduldig ist!
Der Hufschmied machte mich auf Bits and Boots aufmerksam. So packte ich die anderen drei Füsse noch ca. vier Tagen Eisenentfernung in die weichen Joggingschuhe.
Ich hatte das Gefühl, als würde er richtig wohlig seufzen als ich ihm die Schuhe das erste Mal anzog.
Nach vier Wochen ging ich zur Kontrolle und Gipswechsel wieder in die Klinik. An diesem Tag waren mehrere Tierärzte der Uniklinik Zürich dort. Sie machten Fotos von speziellen Hufverletzungen, für ein neues Lehrbuch über Hufkrankheiten.
So kam es, dass mein Pferd zum Fotomodell wurde.
Alle warteten gespannt, was unter dem Gips hervorkam. Ich war ruhig, denn ich wusste, es kommt gut. In diesen vier Wochen bemerkte ich, dass mein Pferd immer zufriedener wurde und seine Bewegungen fliessender. Obwohl ich nichts mit ihm machen durfte. Aber wenn ich am Morgen in den Stall komme, lese ich als erstes die „Stallzeitung“. Denn an der Ordnung in den Boxen sehe ich sofort, wenn ein Pferd eine unruhige Nacht hatte. Und mein Pferd begrüsste mich neuerdings immer freudiger. Und wie gesagt, trotz Boxenruhe. Mitten im Winter!
Zurück zum Gipswechsel. Der Hufschmied grinste mich unter dem Bauch meines Pferdes an und meinte, das sei sensationell. Der Tierarzt war nach wie vor eher vorsichtig mit seiner Prognose. Doch alle waren sich einig, die Verletzung ist extrem, sehr aussergewöhnlich und immer noch lebensbedrohend. Sprich, noch immer hing das Damoklesschwert des „Weidepferdes“ über ihm.
Auf dem Röntgenbild war nach wie vor eine Hufbeinsenkung zu sehen. Deshalb wurde auf den Gips ein Alueisen geklebt, zur zusätzlichen Stabilisierung.
Und ich durfte endlich wieder mit ihm spazieren. Es war herrlich mit was für Luftsprüngen er mich ins japsen brachte. Früher hätte ich gemeckert, jetzt hätte ich heulen können vor Freude.
Als Schnee kam und er mit dem Eisen rutschte, zog ich ihm einen Joggingschuh über das Eisen. Natürlich rutschte er auch mit den Joggingschuhen. Dennoch lief er so besser.
Nach sechs Wochen kam die nächste Kontrolle.
Wieder gespanntes Warten, was wohl zum Vorschein kam. Und, für mich ist es ein Wunder, der Fuss hat überall sehr gutes Horn entwickelt. Ohne Löcher und Spalten zwischen Hufwand und Innenfuss. Natürlich waren die Ballen zu weich und die Trachten zu eng, durch den Gips.
Daher empfahl der Hufschmied, auf Hufschuhe umzustellen und keinen Gips mehr. Der Tierarzt war nicht ganz so überzeugt, ob das reicht. Doch der Hufschmied ist sehr überzeugt von der positiven Wirkung „nackter“ Füsse. Allerdings hiess es jetzt wieder Boxenruhe. Vor allem in der Nacht. Denn da durfte er nicht mal auf den Paddock. Schliesslich mussten die Schuhe auch mal „auslüften“ und die Füsse atmen.
Nach drei Wochen nächste Kontrolle. Eine Sensation. Der Huf hat sich weiter sehr positiv entwickelt. Die Trachten wurden härter und der Ballen ebenfalls. Zudem wird der Huf immer breiter.
Jetzt sind wir soweit, dass unsere Barhufpflegerin den Huf versorgen kann. Nach wie vor gehe ich alle sechs Wochen zur Kontrolle in die Klinik. Um sicher zu gehen, dass sich wirklich keine Infektion bildet. Das Hufbein ist ebenfalls wieder in der richtigen Position.
Schon bald dürfen wir wieder mit grösseren Spaziergängen anfangen. Dafür teste ich nun andere Hufschuhe mit etwas stabilerer Sohle. Da er an allen Füssen untergeschobene Trachten hat, ist die Schuh Suche etwas diffiziler.
Für mich war die Umstellung die einzige und richtige Entscheidung.
Der Hufschmied in der Klinik unterstützt meinen Entscheid und bestätigte die Diagnose, mit Eisen wäre er jetzt ein hoffnungsloser Fall.
Dank den Hufschuhen konnte ich seine Füsse top unterstützen. Bei sehr nassem Wetter schützen, bei Entzündungen polstern und auf Spaziergängen können sich die Füsse trotz Schuhen sehr gut ausdehnen und ihrer Natur entsprechend flexibel auf Belastung reagieren.
Die Diagnose von Weidepferd hat sich endgültig verabschiedet.
Jetzt kann ich mit Spaziergängen anfangen und sobald die Hufwand ganz runter gewachsen ist, klappts auch mit reiten und fahren wieder.
Es ist offensichtlich, dass das starke Hornwachstum und die Aushärtung des ganzen Horns mit Eisen niemals hätte stattfinden können.
Ich habe ein neues Pferd im Stall. Er bewegt sich wunderbar, ist fröhlich und gefrässig, äpfelt alles auf einen Haufen und wir freuen uns sehr auf die warmen Tage. Da geht’s nicht nur ab auf die Weide sondern auch ab ins Gelände.
Die kompetente Beratung durch Bits and Boots ist für mich essentiell in dem ganzen Prozess. Durch die Miete der Schuhe konnte ich immer schnell reagieren. Die Joggingschuhe kann man in der Waschmaschine waschen und so habe ich auch keine Probleme mit allfälligen Infektionen oder Schmutz.
Ich bin wirklich dankbar, dass ich jetzt verschiedene Schuhmodelle testen kann und so herausfinde, mit welchen Schuhen wir eine schöne Waldrunde im flotten Trab geniessen können.

Vier Tage nach der Chip OP. Endlich wieder zu Hause.

Der rechte Hinterhuf nach dem schweren Unfall vor drei Jahren. So sah die Wunde nach der zweiten Operation aus. Es folgte eine dritte, nach der sich die Wunde endlich schliessen konnte.

Dieses Foto entstand ca. drei Wochen vor der Chip OP. Man sieht deutlich die unterschiedliche Stellung der Hufe.

Na ja, wenn schon Boxenruhe, da liegt auch mal ein kurzer Trip in den Heuschopf mit Freund Knopf drin. Der allerdings die Fotografiererei sehr überflüssig findet. Auf dem Bild hat mein Pferd den rechten Huf im Gips, die anderen drei in den Joggingschuhen.

Das sind die Aufnahmen nach dem ersten Gipswechsel.

Auf diesem Bild sieht man den Huf (rechter Hinterhuf) in drei Schichten. Die mittlere, grau-blaue Schicht ist das Horn, welches innerhalb von vier Wochen nachgewachsen ist. Der letzte, bläulich-violette Teil ist noch ohne Hufwand. Es ist gut zu erkennen, wie schmal der ganze Huf ist. Hier bekam er nochmal einen Gips mit aufgeklebtem Alueisen.

Und so sieht es im Hausflur aus. Nebst meinen Schuhen stehen die frisch gewaschenen Joggingschuhe meines Pferdes (links aussen)!

Update vom 11.6.2013

Vor fünf Wochen liess ich notfallmässig einen Tierarzt kommen, welcher mein Pferd bis da noch nicht kannte. Ich hatte den Verdacht, dass mein Pferd eine akute Hufrehe entwickelt habe. Einerseits weil die Hufe die typische Reheform annahmen, und vor allem weil er Schmerzen hatte.
Er sah sich die Sache an und es stellte sich heraus, dass es keine Rehe ist. Er war allerdings entsetzt wie die Hufe aussahen.
Ich zitiere: Wenn das mein Pferd wäre, würde ich ihn sofort beschlagen lassen.
Er liess sich allerdings auf mein Veto ein und er war sogar von den Hufschuhen (ich zeigte ihm die Joggingschuhe) positiv überrascht. Diese bewirkten sogar, dass er seinen Plan, die Hufe sofort zu kürzen, fallen liess und mir empfahl, ich solle mit meinem Pferd in die Tierklinik welche uns bereits betreut zu einer frühzeitigen Kontrolle.
Was ich denn auch tat. Ich fand es spannend, dass sich wieder ein Tierarzt, der „Eisenlosen“ Hufen eher negativ eingestellt ist, von den Hufschuhen beeindrucken liess.
In der Tierklinik beim vortraben war mein Tierarzt begeistert. Er bestätigte, dass seine Bewegungen absolut harmonisch und fliessend sind. Trotz bald halbjähriger Arbeitspause!
Mit ihm und dem Hufschmied, entschieden wir, auf der eingeschlagenen Linie zu bleiben.
Als ich Ihnen erzählte, dass der andere Tierarzt mir empfohlen hatte, mein Pferd wieder beschlagen zu lassen waren sie entsetzt. Beide bestätigten mir, dass mit einem Beschlag der komplette Heilungsverlauf gestoppt würde und die Hufe sich wieder in den alten, brüchigen und instabilen Zustand rückbilden würden.
Sie sagten, mit Beschlag könnte ich meinem Pferd ein paar Jahre Lebenszeit vermiesen!
Langsam fangen sich die Trachten an zu heben und wenn die wieder in der normalen Form sind, was ca. Ende des Sommers sein sollte, kann ich mit vollem Training einsteigen. Ich möchte einfach noch einmal betonen, dass ohne die Hufschuhe eine Umstellung und vor allem Heilung in dem schnellen und positiven Masse nicht möglich gewesen wäre!!
Zudem möchte ich mit meiner Geschichte den Leuten Mut machen, auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Ich habe mich zu lange vom Hufschmied beruhigen lassen. Es sei normal, dass Pferde beim beschlagen mit den Flanken zitterten.
Ich aber wusste, das ist nicht normal. Mein Pferd hatte vor dem tragischen Unfall keine Schmerzen beim Beschlag.
Es lohnt sich einfach, mehrere Meinungen einzuholen. Leider hat es noch viel zu wenige wirklich professionelle Barhufpfleger. Es ist erst noch in der Entwicklung. Zudem hat jeder Hufpfleger eine andere Philosophie was die Auschneid Technik anbelangt. Auch dort lohnt es sich, sich zu informieren.
Ich persönlich empfinde die Hufbearbeitung nach Biernat sehr spannend. Vor allem dass er betont, das Ziel ist, den Huf nicht zu ändern und korrigieren, sondern in seiner ursprünglichen Form zu erhalten und pflegen. Jedes Pferd hat ganz eigene Hufformen.
Da natürlich heute die meisten tendenziell erst auf Barhuf umstellen, weil ein Problem auftaucht, muss am Anfang korrigiert werden. Leider gibt es auch viele Pferdebesitzer, die mit der Umstellung meinen, Geld sparen zu können. Und oft selber an den Hufen rumwurschteln oder ein Hufschmied schneidet die Hufe. Was nicht grundsätzlich schlecht ist, überhaupt nicht. Aber den Wenigsten ist klar, Hufe ohne Eisen brauchen mehr Pflege und Aufmerksamkeit. Das Pferd dankt es mit Gesundheit und Freude an der Bewegung!
Mein Pferd ist ein erstklassiges Beispiel, dass es sich lohnt, sich durch zu beissen. Es ist wirklich aufwändig und mir stinkt es oft, jeden Tag die Hufschuhe an und ausziehen, die Hufe mehrmals am Tag zu kontrollieren und aufzupassen, dass der Huf nicht zu stark abgelaufen wird.
Aber sobald der Huf einmal komplett nach unten gewachsen ist, wird der Huf hart genug sein, um sich selber zu regenerieren und mit den Bodenverhältnissen klar zu kommen. Doch auf die Hufschuhe kann ich im Gelände nicht komplett verzichten.
Ich bin froh, dass sich bei den Hufschuhen soviel geändert hat.
Ich danke Ihnen und Ihrem Team wirklich von Herzen, dass Sie mit Ihrem Angebot solche kleine, grosse Wunder möglich machen!

Rechter Hinterhuf mit der ausbrechenden Wand. Aufgenommen 15.5.13, vier Wochen vor dem Termin in der Tierklinik.

Rechter Hinterhuf, aufgenommen am 11.6.2013

Linker Hinterhuf, aufgenommen am 11.6.2013

Das Schlusswort hat wie immer der Kleinste! In der Zwischenzeit findet er die Knipserei gar nicht mehr so unmöglich. Er ist froh, in meinem Pferd einen starken und Rücken kraulenden Ersatzpapa gefunden zu haben!

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